Der Rundkurs beim 24-Stunden-Lauf: Vermessung und Zeitmessung
Fünfhundert Runden. So viele braucht es, um auf einer 400-Meter-Bahn 200 Kilometer zu laufen. Auf einem Straßenkurs von 2,5 km sind es für dieselbe Strecke nur 80. Die Rundenlänge prägt einen 24-Stunden-Lauf stärker als fast jede andere Entscheidung des Veranstalters: Sie bestimmt, wie oft die Verpflegung vorbeikommt, wie eintönig sich die Nacht anfühlt und wie genau am Ende gemessen werden kann. Die grundlegenden Regeln des Formats stehen auf der Startseite, hier geht es um den Kurs selbst und um die Technik, die jede Runde erfasst.
Wie lang eine Runde sein sollte
Die technischen Richtlinien der International Association of Ultrarunners (IAU) für ihre Meisterschaften legen für 24-Stunden-Straßenläufe eine Runde von ungefähr 1.000 bis ungefähr 2.500 Metern fest. Die untere Grenze ergibt sich aus der Teilnehmerzahl, die IAU rechnet bei Meisterschaften mit 150 bis 250 Startern. Die obere Grenze hat mit der Wertung zu tun: Auf längeren Runden lässt sich der Punkt, den jeder Läufer beim Schlusssignal erreicht hat, nicht mehr zuverlässig markieren.
Neben der Straße gibt es zwei weitere Varianten. Bahnrennen finden normalerweise auf der 400-Meter-Bahn im Freien statt, Hallenrennen auf der 200-Meter-Bahn. Andere Bahnlängen sind möglich, brauchen für eine Rekordanerkennung aber eine Bescheinigung über Länge und Zustand.
Was die Rundenlänge praktisch bedeutet, zeigt eine einfache Rechnung für eine Zieldistanz von 200 km:
| Kurs | Rundenlänge | Runden für 200 km | Rundenzeit im Schnitt |
|---|---|---|---|
| Halle | 200 m | 1.000 | 1:26 min |
| Bahn | 400 m | 500 | 2:53 min |
| Straße | 1,5 km | 133 volle Runden + 500 m | 10:48 min |
| Straße | 2,5 km | 80 | 18:00 min |
Wer in der Halle läuft, passiert also alle eineinhalb Minuten die Zeitmessung, auf dem langen Straßenkurs etwa dreimal pro Stunde. Manche Veranstalter nutzen gegen Ende eine kürzere Schlussrunde. Die IAU erlaubt das, etwa für die letzten 30 Minuten, sofern die Rundenzeiten aller Teilnehmer exakt erfasst werden, zum Beispiel per Transponder.

Oberfläche, Profil und Beleuchtung
Gelaufen wird auf befestigten, möglichst ebenen Wegen, bevorzugt Asphalt. Rad- oder Fußwege sind für Teilstücke erlaubt, weicher Untergrund wie Gras nicht. Steigungen sollen so gering wie möglich bleiben; auf kurzen 24-Stunden-Runden müssen im Streckenplan alle Höhenunterschiede über 10 Meter eingezeichnet sein. Der Kurs muss frei von motorisiertem Verkehr sein.
Der erste Kilometer nach dem Start wird deutlich markiert, damit die Läufer über 24 Stunden ihr Tempo kontrollieren können. Für die Nacht verlangt die IAU eine Beleuchtung, bei der man an jeder Stelle etwa 50 bis 100 Meter voraussieht.
Vermessung und Zertifizierung
Ein Rundkurs wird nicht mit einer Laufuhr vermessen. Die Rekordrichtlinien der IAU verlangen, dass Straßenkurse nach den Verfahren von World Athletics vermessen werden. Zugelassen sind kalibrierte, zertifizierte Stahlmaßbänder oder wissenschaftliche Messgeräte, ausdrücklich auch Fahrräder mit Jones-Zähler. Bei IAU-Meisterschaften muss ein Streckenvermesser mit Grade-A-Lizenz die Runde vermessen.
Zwei Punkte werden oft übersehen. Erstens gilt ein Vermessungszertifikat fünf Jahre, danach muss neu vermessen werden, auch wenn sich am Kurs nichts sichtbar verändert hat. Zweitens soll nach dem Aufbau von Absperrungen, Verpflegungsständen und Technik eine Kontrollmessung erfolgen, weil schon ein versetztes Gitter die Ideallinie verändert. Für die Wertung ist das keine Kleinigkeit: Bei Meisterschaften wird mit der exakten Rundenlänge einschließlich Zentimetern gerechnet. Wie sich das auf die Enddistanz auswirkt, erklärt die Seite zu Ergebnissen und Rekorden.
Chip-Zeitmessung und Rundenzählung
Die meisten Veranstaltungen messen mit Transpondern. Der Chip am Schuh oder an der Startnummer löst bei jeder Überquerung der Messmatte einen Eintrag aus, und daraus entsteht die Rundenliste jedes einzelnen Läufers. Die IAU verlangt bei Rundkursen genau diese Einzelerfassung der Rundenzeiten.
Ganz allein verlässt sich bei Meisterschaften niemand auf die Elektronik:
- Neben dem elektronischen System soll mindestens ein Zeitnehmer von Hand mitschreiben.
- Ohne Transponder sind mindestens drei Zeitnehmer mit druckenden Stoppuhren vorgesehen.
- An der Start- und Ziellinie soll eine Videoaufzeichnung als Absicherung laufen.
- Für das Zeitmesssystem wird eine eigene Notstromversorgung empfohlen.
Für einen Rekordantrag kommt ein weiterer Nachweis hinzu: Der Betreiber der Zeitmessung bestätigt, dass das System während des gesamten Rennens korrekt funktioniert hat, und der Schiedsrichter zeichnet das gegen. Die Rundenprotokolle müssen außerdem zeigen, dass die Differenzen zwischen aufeinanderfolgenden Runden geprüft wurden. So fallen fehlerhaft erfasste Runden auf, bevor sie in die Wertung eingehen.
Bei IAU-Meisterschaften wird der Rennstand stündlich veröffentlicht, auf einer Tafel, auf Papier oder online. Für die Läufer ist das mehr als Unterhaltung, denn die stündliche Distanz ist die einfachste Kontrolle, ob der eigene Plan noch aufgeht.
Die Verpflegungszone
Auf dem Rundkurs gibt es eine offizielle Verpflegungszone, die jede Runde erreichbar ist. Die IAU sieht vor, dass sie an einer Seite der Strecke liegt und abgesperrt ist, damit Betreuer nicht auf den Kurs treten. Betreuer dürfen Getränke und Essen nur von hinten oder aus höchstens einem Meter vor oder neben dem Tisch anreichen. Innerhalb der Zone sind Schuh- und Kleiderwechsel, die Versorgung kleiner Verletzungen, Massagen und Informationen erlaubt, außerhalb nicht.
Zum offiziellen Angebot zählen laut IAU-Richtlinien unter anderem Wasser, Elektrolytgetränke, Bananen und anderes Obst, Cola, Zucker, Salz und Kekse. Eigene Verpflegung steht auf separaten Tischen. Wer eine kurze Pause in der Zone macht, muss den Kurs an derselben Stelle wieder betreten, an der er ihn verlassen hat.
Der Betreuerbereich ist für viele Einsteiger der eigentliche Stützpunkt des Rennens. Eine gut sortierte Kiste mit Wechselkleidung, Stirnlampe und dem, was nachts noch schmeckt, spart jede Runde Sekunden und in der Summe Kilometer. Wie man diese Abläufe im Training übt, beschreibt die Seite zum Training für den 24-Stunden-Lauf.
Richtungswechsel und Wendepunkte
Auf kurzen Runden dürfen Veranstalter die Laufrichtung zu festen Zeiten umkehren lassen; die IAU nennt als Beispiele Wechsel alle vier oder alle sechs Stunden. Danach wird jede Kurve in die andere Richtung gelaufen, und die Strecke, die man seit Stunden kennt, sieht plötzlich anders aus. Der Veranstalter muss beim Wechsel verhindern, dass jemand ihn zum Abkürzen nutzt. Wo genau umgekehrt wird, steht in der Ausschreibung, und es lohnt sich, das vor dem Start nachzulesen.
Häufige Fragen
Wie lang ist die Runde bei einem 24-Stunden-Lauf?
Bei IAU-Meisterschaften auf der Straße ungefähr 1.000 bis 2.500 Meter. Bahnrennen werden auf 400 Metern, Hallenrennen auf 200 Metern ausgetragen.
Wie werden die Runden beim 24-Stunden-Lauf gezählt?
Meist per Transponder, der bei jeder Überquerung der Messmatte eine Runde registriert. Bei Meisterschaften schreibt zusätzlich mindestens ein Zeitnehmer von Hand mit, und eine Videoaufzeichnung an der Linie dient als Absicherung.
Warum wird beim 24-Stunden-Lauf die Laufrichtung gewechselt?
Nach einem Wechsel werden alle Kurven in die Gegenrichtung gelaufen, und der bekannte Kurs sieht anders aus. Die IAU erlaubt solche Wechsel zu festen Zeiten, etwa alle vier oder sechs Stunden; der Veranstalter muss dabei Abkürzungen ausschließen.
Wie oft muss ein Rundkurs neu vermessen werden?
Ein Vermessungszertifikat ist fünf Jahre gültig. Danach muss neu vermessen werden, auch ohne sichtbare Änderungen am Kurs.